Kann man mit Chlorella Schwermetalle ausleiten? Eine Analyse der Studienlage

Kann man mit Chlorella Schwermetalle ausleiten? Eine Analyse der Studienlage

Kann man mit Chlorella Schwermetalle ausleiten? Eine Analyse der Studienlage

Anmerkung 28.10.2023: Text wurde aktualisiert, einige grammatische und orthografische Fehler wurden entfernt. Stil wurde verbessert.

Der Gedanke, dass man mit Chlorella toxische Metalle wie Quecksilber oder Blei einfach und natürlich ausleiten kann, ist sehr weit verbreitet. Es ist eine von Heilpraktikern und sogar einigen hoch angesehenen Ärzten akzeptierte Idee, die so gut wie nie in Frage gestellt wird.

Worauf basiert diese Idee? Gibt es tatsächlich “tausende von Studien”, welche die Wirksamkeit von Chlorella belegen, wie man es oft von Chlorella Fans zu hören bekommt?

Es gibt tatsächlich sehr viele Studien, die mit Chlorella durchgeführt wurden, die überwiegende Mehrzahl davon jedoch in Petri-Schalen. Diese Art von Studien haben eine unbekannte Relevanz für Menschen.

Wenn es um Studien geht, die an Menschen oder Säugetieren durchgeführt wurden, so sind es weniger als 10. 

Deren Qualität läßt auch sehr zu wünschen übrig: Eine der an Menschen durchgeführten Studien erfüllt nicht die Kriterien einer wissenschaftlichen Arbeit, sondern stellt eher Marketingmaterial dar.  

Bei der anderen fehlt der vollständige Text, es gibt nicht mal eine Synopsis.

Die restlichen Studien wurden an Ratten und Mäusen durchgeführt, deren Relevanz für Menschen nie erforscht wurde.

Auch untersuchen diese Studien die Wirksamkeit von Chlorella, eine zusätzliche Vergiftung mit Schwermetallen zu verhindern, nicht eine bereits bestehende chronische Vergiftung zu beheben.

Somit ist auch deren Relevanz für Menschen hochgradig fragwürdig.

Aber schauen wir sie uns mal alle im Einzeln an.

Zuvor sollten wir uns jedoch die folgende Fragen stellen:

Wie müsste eine Studie idealerweise aufgebaut sein?

Bevor wir an diese Frage rangehen, sollten wir uns zuerst klar machen, wie eine Studie aufgebaut sein müsste, die beweisen würde, dass Chlorella in der Lage ist Schwermetalle beim Menschen auszuleiten.

Hier einige Ideen:

1. Sie müsste an Menschen durchgeführt worden sein.

2. Sie müsste an Menschen durchgeführt worden sein, von denen man weiß, dass sie chronisch quecksilber- oder bleivergiftet sind. Aufgrund der Tatsache, dass es notorisch schwierig bis unmöglich ist, eine chronische Quecksilbervergiftung eindeutig zu diagnostizieren, ist das schon mal eine große Hürde. Bei Blei kann man eventuell die Haaranalyse verwenden. Aber bei Quecksilber, das sich bevorzugt in Organen wie Gehirn, Schilddrüse oder Leber absetzt, ist das so gut wie unmöglich. 

3. Diese Gruppe von Menschen würde man dann mit Hilfe des Zufallsprinzips in zwei unterschiedlichen Gruppen teilen: Einer Interventions- und einer Kontrollgruppe.

4. Beide Gruppen würden dann etwas zu schlucken bekommen: die Interventionsgruppe würde Chlorella einnehmen, die Kontrollgruppe einen Placebo. Und dieses Placebo müsste dann idealerweise von den Chlorellapresslingen nicht zu unterscheiden sein, weder von den Teilnehmern der Studie noch von den Studienleitern.

5. Dann würde man den Urin und den Stuhl der Personen vor, während und nach der Studie auf Schwermetalle testen und gleichzeitig deren Symptome beobachten und diese am besten auch noch systematisch aufzeichnen und quantifizieren.

6. Das alles müsste natürlich an einer genügend großen Anzahl von Teilnehmern durchgeführt werden also pro Gruppe nicht weniger als 30, und auch ausreichend lang, also mindestens über einige Monate. 

Das wäre also eine so genannte randomized, placebo controlled, double blind study, oder randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie.

Eine Studie von höchster wissenschaftlicher Qualität und auch die einzige Art von Studie, die eine schwermetallentgiftende Wirkung von Chlorella belegen könnte. Das ist die einzige Art von Studie, die eine Kausalität beweisen kann.

Zusätzlich muss die Studie in ihrer Gänze vorliegen, nicht nur die Zusammenfassung, sondern der gesamte Text.

Und da zeichnet sich schon das erste Problem auf.

Chlorella Studien auf Pubmed

Eine Suche auf Pubmed, also der weltweit umfangreichsten Datenbank von Studien und wissenschaftlichen Abhandlungen, zeigt, dass es nicht nur so gut wie keine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien zum Thema Chlorella gibt, sondern dass es praktisch so gut wie gar keine an Menschen durchgeführte Studien gibt.

Beim Eintippen der folgenden Stichwörter:

“chlorella mercury”

“chlorella lead toxicity”

“chlorella cadmium”

… bekommt einige hundert Ergebnisse.

Die überwiegende Anzahl davon sind jedoch Studien mit Chlorella in wässrigen Lösungen. Das heißt, sie wurden in Petri-Schalen durchgeführt.

Dann gibt es noch einige, die an Tieren, vor allen Ratten und Mäusen, durchgeführt wurden. Aber nur zwei, die ich finden konnte, wurden an Menschen durchgeführt.

Eine davon erfüllt die gerade erwähnten Qualitätsmerkmale nicht, die andere – weiß man nicht, da der Text nicht vorliegt. Nicht mal eine Zusammenfassung ist zu lesen.

Schauen wir uns diese Studien etwas genauer an.

Chlorella Studien an Menschen

 

1. “The Long-Term Algae Extract (Chlorella and Fucus sp) and Aminosulphurate Supplementation Modulate SOD-1 Activity and Decrease Heavy Metals (Hg++, Sn) Levels in Patients with Long-Term Dental Titanium Implants and Amalgam Fillings Restorations”. [LINK]

Was einem hier sofort auffällt, ist, dass nicht nur Chlorella untersucht wurde. Der Titel der Studie erwähnt nämlich noch weitere Substanzen (Fucus sp, Aminosulphurate) und auch zahntechnische Interventionen (Amalgam Fllings Restorations). 

Das alleine disqualifiziert die Studie, denn wenn mehrere Substanzen und Interventionen benutzt wurden, so kann man unmöglich erkennen, welche Wirkung nur eine Substanz davon, nämlich die Chlorella, hatte. 

Trotzdem steht in der Zusammenfassung der Studie, dass Chlorella und diese Aminosulphurate es geschafft hätten die Werte von Quecksilber, Silber, Zinn, Blei und Uranium zu senken.

Um zu verstehen, wie die Studiendesigner zu dieser Schlußfolgerung gelangt sind, habe ich das getan, was wahrscheinlich 99,9999% aller Ärzte niemals tun, nämlich mir den gesamten Text der Studie durchgelesen. Ich wollte wissen, wie genau diese Studie durchgeführt wurde und was diese Aminosulphurate sind.

So steht da, dass alle Teilnehmer in der Interventionsgruppe die folgenden Mittel verabreicht bekommen hätten:

  • Green-flor
  • Ergytaurine
  • Ergylixir.

Da sind wir schon bei 3 verschiedenen Produkten, nicht mal einzelnen Stoffen.

Wenn man sich die einzelnen Stoff anschaut, die in diesen Produkten enthalten sind, so kommt man auf eine sehr lange Liste. 

Green-Flor enthält:

  • Chlorella
  • Spirulina
  • Kelp
  • Apfelpektine
  • Acerola
  • Distel
  • andere Zusatzstoffe

Ergytaurine enthält:

  • Taurine
  • L-Cysteine,
  • Löwenzahn,
  • Schwarzrettich
  • Broccoli
  • Knoblauch,
  • L-methionine
  • L-glutamine
  • Glycin
  • Zink
  • Folsäure
  • Mangan
  • B Vitamine
  • Selenium
  • Kupfer

Ergylixir enthält:

  • Artischocken
  • Schwarzrettich
  • Holunder
  • Solidago
  • Preiselbeersaft
  • Löwenzahn
  • Klette
  • Molybdän
  • Selenium

und mehr.

D.h. wir haben hier fast 30 verschiedene Stoffe, die zusätzlich zu Chlorella eingenommen wurden, nicht nur zwei weitere wie der Titel es glauben macht.

Diese Studie kann demnach unmöglich einen Wirkungsmechanismus von Chlorella belegt haben. Es ist unmöglich, aufgrund der Studie irgendeinen kausalen Zusammenhang zwischen den einzelnen Substanzen und beobachteten Symptomen zu belegen. 

Da könnte man aber sagen, ok, dann waren es eben diese 3 Produkte, die diese Vielzahl von Wirkstoffen enthielten, die zu der Verminderung von Schwermetallen geführt haben. Ist doch egal, Hauptsache man hat etwas, dass erfolgreich Schwermetalle entfernt, nicht wahr? Ob es jetzt Chlorella oder die Artischocken oder die 20 anderen Mitteln waren, ist doch unwichtig.

Nicht ganz, denn gleichzeitig wurden den Teilnehmern alle 20 Tage Amalgamfüllungen entfernt.

Die beobachtete Reduktion der Schwermetallbelastung, die in den Haarproben ersichtlich war, kann auch aufgrund der entfernten Amalgamfüllungen zustande gekommen sein und nicht unbedingt wegen der eingenommenen Mitteln.

Aufgrund des seltsamen Aufbaus der Studie ist es aber unmöglich zu sagen, was hier was bewirkt hat.

Diese Studie kann man unmöglich ernst nehmen. Sie hält sich an keine einzige Regel, die man bei einer wissenschaftlichen Studie erwarten würde, meiner Meinung nach.

Was ist hier also los? Wieso wurde für so eine Charade überhaupt Geld ausgegeben? Die Antwort gibt die Studie selbst, wenn man weiß, wo man lesen muss. Denn unter “Anerkennungen” steht da, dass sich die Studienleiter herzlich bei Nutergia Laboratorios für die Unterstützung dieser, ähem, Studie bedanken. Wer oder was ist Nutergia Laboratorios? Das ist der Hersteller der Mittel, die hier getestet wurden. Auch bedankt man sich beim CIROM, dem Institut, wo die Amalgamrestaurierungen durchgeführt wurden.

Jetzt wird auch alles klar: In dieser Studie handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um Marketing. So wird nämlich Marketing heutzutage betrieben: nicht mit einem Plakat einer vollbusigen Dame auf dem Strand, sondern mit einer auf Pubmed publizierten “Studie”.

Diese Studie hat absolut keinen wissenschaftlichen Wert. Es ist reines Marketingmaterial. Ähnlich dem, das Prof. Chris Exley produziert, um angeblich zu beweisen, dass siliziumreiches Mineralwasser in der Lage sei, Aluminium auszuleiten. Das ist auch leider reines Marketing gewesen. Den Artikel dazu können Sie auf meiner Webseite finden.

Dann kommen wir zu Studie Nr. zwei, die da heißt

2. Effect of chlorella on fecal and urinary cadmium excretion in “Itai-itai” disease [LINK]

Das Problem hier ist, dass es keinen Text, nicht mal eine Zusammenfassung zu der Studie gibt. Das ist leider oft der Fall bei älteren Studien. Wenn es jedoch keinen Text gibt, so gibt es auch nichts zu besprechen.

Trotzdem gibt es deutsche Webseiten, die behaupten, den Inhalt dieser Studie zu kennen. Sie behaupten auch, dass diese Studie zeigt, dass die regelmäßige Einnahme von Chlorella zum Beispiel die Ausleitung von Cadmium über die Nieren und den Darm um den Faktor 3 bis 7 verbessert.

Wie die deutschen Webseiten zu dieser Information kommen, ist wie gesagt, nicht klar, da es nicht mal englischsprachige Quellen gibt, die Auskunft über diese Studie geben.

Fakt ist, dass wenn man sich über die Itai Itai Krankheit informiert, die tatsächlich von Cadmium verursacht wird, es keine Empfehlungen gibt, Chlorella einzunehmen.

Die offizielle Position ist, dass es keine Heilung für diese Krankheit gibt. Insofern kann diese Studie nicht besonders überzeugend gewesen sein, wenn ihre angeblichen Schlußfolgerungen nicht von der Medizin übernommen wurden.

Es stellt sich auch die Frage, wieso keine weiteren Studien zur Cadmiumvergiftung an Menschen und Chlorella in den letzten 50 Jahren durchgeführt wurden, falls diese Studie wertvolle Ergebnisse zum Thema geliefert hat.

Das sind alles Spekulationen. Da wie gesagt, der Text nicht vorliegt, nicht einmal eine Zusammenfassung, müssen wir diese Studie aus der Analyse entfernen.

Das wars, was Chlorella und Studien an Menschen angeht: eine nicht existente Studie aus dem Jahr 1975 und ein Stück Marketing, das als Studie verkauft wird.

Chlorella Studien an Mäusen

Jetzt könnte man sich aber noch Studien an Säugetieren anschauen. Vielleicht gibt es da was Schlüßiges, obwohl die wenigsten Studien, die an Ratten durchgeführt wurden sich als relevant für Menschen erwiesen haben. Aber seien wir mal großzügig. So findet man folgendes:

3. “Potential Alleviation of Chlorella vulgaris and Zingiber officinale on Lead-Induced Testicular Toxicity: an Ultrastructural Study.” [LINK]

“Mögliche Linderung durch Chlorella vulgaris und Zingiber officinale auf bleiinduzierte Hodentoxizität”.

Was wurde da gemacht?

60 verschiedene Ratten wurden in vier verschiedene Gruppen unterteilt.

Gruppe Nr. 1 war die Kontrollgruppe.

Gruppe Nr.2 erhielt Bleiacetatwasser.

Gruppe Nr. 3 erhielt  Chlorella zusammen mit dem Bleiwasser.

Gruppe Nr. 4 erhielt Zingiber Officinale, also Ingwer, mit Bleiwasser.

All das wurde 90 Tage lang durchgeführt.

Diese Studie untersucht also eine akute Bleivergiftung und eine mögliche schützende Wirkung von Chlorella oder Ingwer auf eine fortlaufende Bleivergiftung.

So eine Studie ist für Menschen, die an einer chronischen Vergiftung leiden, leider irrelevant. Schwermetallvergiftete Menschen wollen hauptsächlich die bestehenden Metallpegel reduzieren, nicht eine zusätzlichen Zufuhr bremsen. Auch nimmt heutzutage keiner bewußt Schwermetalle in größeren Mengen ein und überlegt sich “Hm, wie kann ich deren Absorption reduzieren?”. 

Somit ist die Relevanz dieser Studie für Menschen, die an einer chronischen Schwermetallvergiftung leiden, extrem gering oder eher komplett nicht existent.

Als nächstes gehen wir über zu:

4. Parachlorella beyerinckii accelerates lead excretion in mice. [LINK]

Was hier gemacht wurde ist ähnlich wie bei der vorherigen Studie: einer Gruppe von Mäusen wurde nur eine Bleilösung zu trinken gegeben, einer anderen Gruppe wurde Bleilösung mit Parachlorella gegeben.

Auch hier wurde also nicht die Fähigkeit von Chlorella untersucht, eine bestehende und chronische Bleivergiftung zu eliminieren, sondern die potentielle schützende Wirkung bei einer fortlaufenden Bleivergiftung.

Diese Studie ist wiederum für die überwiegende Mehrzahl von Menschen, die es mit einer chronischen Schwermetalvergiftungen zu tun haben, irrelevant.

So kommen wir zu der Studie mit dem Titel “Schützende Effekte von Chlorella vulgaris in Mäusen, die mit Blei vergiftet wurden und mit Listeria moncytogenes infiziiert wurden”.

5. Protective effects of Chlorella vulgaris in lead-exposed mice infected with Listeria monocytogenes. [LINK]

Was hier gemacht wurde, ist folgendes:

Verschiedene Gruppen von Mäusen wurden mit Listeria infiziiert.

Gleichzeitig wurde einer Gruppe nur Chlorella verabreicht.

Einer anderen Gruppe wurde nur Blei verabreicht.

Einer weiteren Gruppe wurde Chlorella mit einer Bleilösung gegeben.

Also auch hier wurde wiederum nur die potentielle schützende Wirkung von Chlorella bei einer akuten Bleivergiftung untersucht, NICHT die Fähigkeit eine chronische Vergiftung mit Chlorella zu behandeln.

Relevanz für chronisch Kranke: keine.

Weiter kommen wir zu:

6. Effect of Chlorella vulgaris intake on cadmium detoxification in rats fed cadmium. [LINK]

Das ist eine interessante Studie, die folgenderweise durchgeführt wurde:

Ratten wurden mit Cadmium vergiftet und zwar jeden Tag, 8 Wochen lang.

Danach wurden die Ratten in 3 Gruppen unterteilt:

Eine Gruppe bekam 0% Chlorella. 

Die andere Gruppe 5% der Tagesdosis.

Bei der letzten Gruppe stellten 10% der Nahrung Chlorella dar.

Während der Chlorellaeinnahme wurde der Urin der Ratten gemessen.

Resultat:
“Urinary cadmium concentration was not affected by dietary chlorella intake.”

Also: Die Konzentration von Cadmium im Urin wurde nicht von der Chlorellaeinnahme beeinflußt.

Weiter heißt es:

“Several studies presented that simultaneous intake of Cd and chlorella facilitated urinary Cd excretion and this finding resulted from inhibition of absorption but not from facilitation of excretion.”

Im Klartext: Andere Studien haben ebenfalls gezeigt, dass Chlorella die Absorption von Cadmium und anderen Metallen bremsen, jedoch nicht die Ausscheidung fördern kann.

Also: Chlorella ist kein Ausleitungsmittel für Cadmium. Es ist für die Behandlung einer chronischen Cadmiumvergiftung nicht geeignet.

7. “Effect of Chlorella intake on Cadmium metabolism in rats”. [LINK]

Hier wurde ebenfalls die potentielle hemmende Wirkung von Chlorella untersucht, da hier Mäusen Cadmium zusammen mit entweder 0%, 3% oder 5% Chlorellagehalt gefüttert wurde. Das hat wiederum mit einer bestehenden chronischen Vergiftung nichts zu tun. Somit ist es für Menschen irrelevant.

Falls Sie vorhaben, Cadmium in größeren Mengen zu essen, dann könnte eine gleichzeitige Einnahme von Chlorella die Absorption des Metalls reduzieren.

Wenn Sie jedoch schon mit Cadmium vergiftet sind, können Sie soviel Chlorella essen wie Sie wollen, es wird dadurch die Cadmiumbestände in Ihrem Körper nicht reduzieren.

Oder zumindest gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Chlorella sie reduzieren könnte. 

8. Protective effects of Chlorella vulgaris on liver toxicity in cadmium-administered rats. [LINK]

Diese Studie war sehr ähnlich der vorherigen konzipiert. Wiederum wurde Ratten gleichzeitig Cadmium und Chlorella verabreicht.

Fazit: Die Ratten, welche gleichzeitig Cadmium und Chlorella zu sich nahmen, hatten eine weniger vergiftete Leber. Was wiederum zeigt, dass Chlorella eine potentielle schützende Wirkung hat, wenn es gleichzeitig mit dem toxischen Metall eingenommen wird.

Relevanz für Menschen, die eine chronische Cadmiumvergiftung loswerden wollen: keine.

Fazit

Summieren wir also, was wir haben:

Studien, die zeigen, dass Chlorella beim Menschen eine chronische Quecksilber-, Blei- oder Cadmiumvergiftung verbessern oder komplett revidieren kann: 0

Studien, die zeigen, dass Chlorella bei Mäusen eine chronische Quecksilber-, Blei- oder Cadmiumvergiftung verbessern oder komplett revidieren kann: 0

Es gibt jedoch Rattenstudien, die zeigen, dass Chlorella beim gleichzeitiger Einnahme von Cadmium oder Blei die Aufnahme von diesen Metallen reduzieren könnte.

Angenommen, dass die Ergebnisse von Ratten auf Mensch übertragen werden könnten, in welcher hypothetischen Situation wäre das hilfreich?

Beispiel:
Sie befinden sich in einem Haus von dem Sie wissen, dass die Wasserrohre aus Blei sind. In diesem Fall, wenn Sie das Wasser trinken, welches höchstwahrscheinlich mit Blei kontaminiert ist, dann würde es Sinn machen, gleichzeitig Chlorella einzunehmen. Warum? Weil das Chlorella möglicherweise dazu führen würde, dass Sie weniger Blei aufnehmen würden. Es wäre trotzdem nicht klug das zu machen. Denn das Chlorella würde im besten Fall die Absorption mindern, nicht komplett unterbinden. Das klügste wäre es, das Wasser gar nicht zu trinken.

Aber, wenn es aus irgendeinem Grund nicht möglich sein sollte, dieses kontaminierte Wasser nicht zu trinken, so ist es möglich, dass Chlorella so ähnlich wie Aktivkohle funktioniert: es ist in der Lage die Aufnahme von giftigen Substanzen durch unsere Körper zu mindern.

Es ist jedoch, genauso wie Aktivkohle, nicht in der Lage, Metallgifte, die sich bereits im Innern unserer Organe befinden, zu entfernen.

Es gibt also keinen einzigen wissenschaftlich belegten Grund, keine einzige Studie, die zeigt, dass Chlorella bei chronischen Schwermetallvergiftungen hilft.

Anzumerken ist auch, dass es keine einzige Studie zu Chlorella und Quecksilbervergiftung gibt, und Quecksilbervergiftung ist eigentlich das, was die meisten Betroffenen hoffen zu eliminieren. 

Entgiftungskuren mit Chlorella?

Was ist also die Schlussfolgerung von all dem? Die Schlussfolgerung, ist, dass es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit von Chlorella bei Entgiftungskuren gibt.

Es ist sehr gut möglich, dass es Ihnen nach einer solchen Entgiftungskur besser geht, jedoch hat das unwahrscheinlich damit zu tun, dass irgendwelche Schwermetalle ausgeleitet wurden, sondern eher mit anderen Faktoren, die Sie gleichzeitig geändert wurden.

So ähnlich geht es auch vielen Veganern: Viele berichten, dass sie sich viel besser fühlen, nachdem sie sich auf eine vegane Ernährung umstellen. Das mag gut sein, nur hat das nie damit zu tun, dass sie aufhören, Fleisch zu essen, sondern damit, dass sie in den meisten Fällen gleichzeitig aufhören Zucker, Geschmacksverstärker, histaminreiche oder glutenhaltige Lebensmittel zu essen oder Alkohol zu trinken. 

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal dabei sind, sich ein Video von Dr. Klinghardt anzuschauen und einen Haufen Geld für dieses teure Grünzeug auszugeben.

Kaufen Sie sich stattdessen besser ein Stück Rindfleisch. Das ist gesünder und billiger als Chlorella.

Falls Sie denken, dass ich eine Studie übersehen habe, lassen Sie es mich wissen. Es muss jedoch mindestens eine an einem Säugetier sein. Auf Links zu Studien die in Petri-Schalen oder wässrigen Lösungen durchgeführt wurden, werde ich nicht reagieren, da diese wissenschaftlich nicht relevant sind.

Paola Dziwetzki

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Bettlägerig nach Chlorella? Zwei Fallbeispiele

Bettlägerig nach Chlorella? Zwei Fallbeispiele

Bettlägerig nach Chlorella? Zwei Fallbeispiele

In diesem Artikel stelle ich zwei Fälle vor, bei denen es nach der Einnahme von Chlorella gemäß der Dr. Klinghardt Methode zu Bettlägerigkeit gekommen ist.

Diese Fälle werden in dem Dokument “Chlorophyll und Häm: Toxische Wechselwirkungen bei subklinischer Porphyrie und Schwermetallvergiftung” von Gerald Würkner beschrieben.

Fall Nr. 1:

“Patient 1 (P1), 35 Jahre, männlich: Der Patient, der an Hormonstörungen leidet, ansonsten aber einen weitgehend gesunden Eindruck hinterlässt, entschließt sich ohne klare Indikation im Alter von ca. 25 Jahren zu einer Hochdosis-Therapie mit Chlorella. Nach einiger Zeit stellen sich bei P1 schwer zu klassifizierende Symptome ein, die vor allem durch einen extremen körperlichen und geistigen Leistungseinbruch charakterisiert sind.

Trotz der Verschlechterung wird die Therapie mit Chlorella fortgesetzt. Schließlich tritt ein Ikterus auf. Als daraufhin die Dosis der Chlorella reduziert und dann ganz abgesetzt wird, erfolgt zwar eine Remission des Ikterus, aber keine Besserung des Allgemeinzustandes, sodass weitgehend Bettlägerigkeit vorliegt.

Zusätzlich treten massive Unverträglichkeitsreaktionen, ins- besondere bei einer Vielzahl von Nahrungsmitteln, als auch schwere Obstipation und psychische Symptome (u.a. Angst- zustände, Panikattacken) auf. Weitere Symptome: Tinnitus, Gewichtszunahme, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Schlaf- störungen, Probleme mit dem Blasenschließmuskel nach dem Urinieren, trockene Haut, schrumpelig eingefallene Fingerkuppen.

Insgesamt muss der Zustand als schwerwiegend (konstant bettlägerig), mitunter auch kritisch, eingestuft werden. Klinisch lässt sich nichts wirklich Auffälliges beobachten, außer dass der Dopaminspiegel zeitweise unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Bereits Jahre nach dem Absetzen der Chlorella wurde in einer Krise eine Harnprobe nach einiger Zeit an der Luft dunkelbraun.”

Fall Nr. 2:

“Patient 2 (P2), 50 Jahre, männlich: Als Jugendlicher wiederholt innerhalb mehrere Jahre starke krampfartige Schmerzen im Oberbauch, vorwiegend auf kurzfristige Nahrungskarenz (verspätete Mahlzeit bzw. Ausfall einer Mahlzeit). Als junger Erwachsener Mitte 20 einige Male bierbrauner Harn ohne weitere Auffälligkeiten sowie Parästhesien in den Beinen.

Mit 32 Jahren Entwicklung eines unspezifischen Beschwerdesyndroms ohne klare Diagnose. Es ist durch einen körperlichen und geistigen Leistungseinbruch gekennzeichnet, der zu mehrmonatiger Bettlägerigkeit führt, als auch durch Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel. Symptome des Syndroms: Komplex aus Seh-, Konzentrations-, Sprach-, Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen, die in erster Linie als Überlastung der jeweiligen Bereiche selbst bei geringen Reizen charakterisiert sind, nervöse Unruhe, allgemeine muskuläre Schwäche mit Neigung zu Muskelverhärtung bzw. Verkrampfung, umfassende Parästhesie (alle Extremitäten und die gesamte Stützmuskulatur) direkt auf Belastung, aber auch bei Ruhe, Tremor nach Belastung, Koordinationsstörungen mit Ansätzen von Lähmungen, Schmerzen/Druck im Bereich der Leber (rechter Rippenbogen), Probleme mit dem Blasenschließmuskel nach dem Urinieren, Einknicken beim Gehen, Tinnitus, Herzklopfen, Übelkeit und Magenschmerzen, zuerst Diarrhö dann Obstipation, Entzündungen im Mundraum, starker Speichelfluss, saurer Geschmack im Mund, Schweißausbrüche, entzündete Papeln auf der Haut, trockene Haut, schrumpelig eingefallene Fingerkuppen, regelmäßig zusätzlich Migräneschübe. Therapeutisch wird aus- schließlich Glukoseinfusion vertragen.

Nach langsamer Besserung verschlechtert sich der Zustand einige Jahre später, im Alter von 38 Jahren, mit der bereits bekannten Symptomatik erneut, wobei durch eine hochdosier- ten Chlorella-Einnahme zur Schwermetallentgiftung ein erster, sich mit der Einnahme der Chlorella kontinuierlich steigern- der Krankheitsschub ausgelöst wird und nach einer darauf- folgenden Amalgam-Entfernung ein zweiter derart schwerer Krankheitsschub einsetzt, dass zeitweise Lebensgefahr durch Atemlähmung besteht. Es treten neben dem genannten Syndrom erneut kurzzeitige Lähmungen der Extremitäten als auch zusätz- lich Zonen mit Hypästhesie im Bereich der Beine auf und eine Kohlehydratverwertungsstörung.

Ab diesem Zeitpunkt sind selbst kleinste Mengen Chlorella von erheblich krankheitsverschlimmernder Wirkung. Der Zustand scheint insgesamt nicht reversibel und kleinste Belastungen (Überlastungen des aktuellen Zustandes) führen sofort zu einer erneuten langfristigen Verstärkung des gesamten Syndroms. Auch in diesem Fall liefern keine allgemein anerkannten klinischen Parameter einen Hinweis auf die Erkrankung. “

 

In beiden Fällen hat die Einnahme von Chlorella zur Bettlägerigkeit geführt, die nicht reversibel zu sein scheint.

Der Autor des Dokuments, Herr Gerald Würkner, argumentiert, dass in beiden Fällen die dramatischen Nebenwirkungen darauf zurückzuführen sind, dass der Chlorophyll-Gehalt des Chlorellas eine bis dato nicht diagnostizierte Porphyrie erstmalig zum Vorschein gebracht hat.

Was ist eine Porphyrie?

Porphyrine sind Baustoffe, die bei der Synthese von Häm wichtig sind. Werden diese Baustoffe nicht richtig verwertet, so können erhöhte Porphyrinwerte im Blut und Urin nachgewiesen werden. Eine Porphyrie ist also eine Stoffwechselstörung, die eine Reihe von Symptomen hervorrufen kann: von physischen bis zu psychischen Störungen.

Eine Porphyrie kann durch erhöhte Porphyrinwerte im Urin diagnostiziert werden. Da der Test jedoch extrem sensitiv ist, kommt es oft zu falsch negativen Diagnosen. Werden die Urinproben falsch gehandhabt, so kann es zu einem falschen Resultat kommen, obwohl der Patient tatsächlich an einer Porphyrie leidet.

Liegt eine Porphyrie vor, so kann man das auch anhand des Farbumschlags des Urins feststellen: wird der Urin, nachdem er einige Zeit lang an der Luft stand, braun, so kann das auch auf eine Porphyrie hindeuten.

Bei beiden Patienten wurde zu bestimmten Zeitpunkten festgestellt, dass der Urin mit der Zeit braun wurde. Beide Patienten zeigten jedoch negative Porphyrin-Urintests.

Was ist Chlorophyll?

Chlorophyll ist ein Farbstoff, der Pflanzen ihre grüne Farbe verleiht.

Was ist Chlorella?

Chlorella ist eine Alge. Sie wird in grünen “Presslingen” verkauft und oft bei Schwermetallvergiftungen angewendet.

Wieso Chlorophyll keine Bettlägerigkeit bei Porphyrie auslösen kann 

Der Autor des Dokuments, Herr Gerald Würkner, stellt die These auf, dass in Menschen, die an einer subklinischen Porphyrie leiden, ein Schub von akuter Porphyrie durch hohe Gaben von  Chlorophyll (in dem Fall in Form von Chorella) ausgelöst werden kann.  

In diesem Artikel widerlege ich Herr Gerald Würkners These, dass die Bettlägerigkeit bei den beiden Männern durch das Chlorophyll hervorgerufen wurde.

Stattdessen gebe ich 8 Gründe an, wieso meiner Meinung nach die Bettlägerigkeit nichts mit dem Chlorophyllgehalt von Chlorella zu tun hatte, sondern mit der Fähigkeit von Chlorella Quecksilber zu mobilisieren und zu verlagern.

Grund Nr. 1

Herr Würkner stellt die Effektivität und die Sicherheit von Chlorella bei der Schwermetallvergiftung niemals in Frage.

Von den 54 Quellenangaben am Ende des Dokuments beschäftigt sich kein einziges davon mit Chlorella und dessen angeblicher Fähigkeit, Schwermetalle zu entgiften.

Herr Würkner beschäftigt sich also in keiner Weise damit, ob Chlorella tatsächlich Quecksilber und andere toxische Metalle entgiften kann. Er nimmt es als Gegeben hin, ohne darauf einzugehen, wieso. Herr Würkner zitiert keine einzige Studie und keine dokumentierten klinischen Beobachtungen, die bei Chlorella eine entsprechende Fähigkeit belegen können. 

Wir wissen, dass auch die sichersten Arzneimittel und Therapien Nebenwirkungen haben können. So wären diese mit Sicherheit bei einem Mittel zu erwarten, der die Fähigkeit besitzt, Schwermetalle zu mobilisieren. Das alleine könnte die Nebenwirkungen bei einer Hochdosis-Chlorella-Therapie erklären. Herr Würkner ignoriert diese Tatsache völlig. 

Grund Nr. 2:

Es gibt eine Verbindung zwischen Quecksilbervergiftung und Porphyrie.

So beschäftigen sich mindestens 17 von den 54 Studien und Artikeln, die Herr Würkner zitiert mit dem Zusammenhang zwischen Quecksilber- oder Bleivergiftung und Porphyrie.

Auch ist Dr. Andrew Hall Cutler in seinem Buch “Amalgam Illness” auf diese Tatsache eingegangen. So wissen wir spätestens seit dem Erscheinen seines Buches in 1999, dass eine Diagnose von Koproporphyrinen (eine bestimmte Art von Porphyrinen) im Urin eine positive Diagnose von Quecksilbervergiftung darstellt.

Wir wissen also, dass in den meisten Fällen Porphyrie = Quecksilbervergiftung.

Bei Fall 2 kann man eine Quecksilbervergiftung mit großer Wahrscheinlichkeit bestätigen, da einer der Krankheitsschübe direkt nach einer Amalgamentfernung (größere Exposition zu Quecksilberdampf) stattfand.

Bei Fall 1 wurde eine Quecksilbervergiftung nicht überzeugend ausgeschlossen. Es wird in keiner Weise beschrieben, wie man zu dem Schluß gekommen ist, dass dort keine Schwermetallvergiftung vorliegt, da ja Hormonstörungen durchaus von einer Quecksilbervergiftung verursacht sein können.

Aufgrund des engen und vielfach zitierten Zusammenhangs zwischen Quecksilbervergiftung und Porphyrie würde man erwarten, dass Herr Würkner sich mit den typischen Symptomen von Quecksilbervergiftung auseinandersetzen würde. Das findet jedoch seltsamerweise nicht statt.

Wenn wir also wissen, dass eine Quecksilbervergiftung vorliegt und dass die Person mit einem Mittel behandelt wurde, welches in der Lage ist, Quecksilber zu mobilisieren (was Chlorella ja wegen seiner einfachen Thiolverbindungen tun kann) und wenn es dann während dieser Therapie zu Nebenwirkungen kommt, so wäre die naheliegendste Erklärung die, dass diese Nebenwirkungen eben aufgrund der Mobilisation von Quecksilber entstanden sind. Jedoch versäumt es Herr Würkner diese simple Logik aufzugreifen.

Grund Nr. 3

Chlorella besteht aus vielen verschiedenen Inhaltsstoffen: Proteinen, Chlorophyll, Schwefelverbindungen, Vitaminen, Mineralstoffen, und manchmal ist es auch mit Schwermetallen kontaminiert. Das sind also eine Reihe von Faktoren, die bei der Entwicklung der Nebenwirkungen eine Rolle gespielt haben können. Wie war Herr Würkner in der Lage, daraus sofort das Chlorophyll als den Übeltäter isolieren und identifizieren zu können? Das wird an keiner Stelle erklärt.

Grund Nr. 4

Chlorophyll ist ein frei verkäufliches, billiges Nahrungsergänzungsmittel, das überall in seiner reinen Form erhältlich ist.

Wenn es tatsächlich stimmt, dass bis zu 5% der Bevölkerung an einer Porphyrie leiden, so müsste man viel öfter Berichte von Gegenreaktionen hören. Diese gibt es jedoch nicht.

Diese Tatsache alleine widerlegt Herr Würkners These.

Grund Nr. 5

Chlorophyll ist in fast jeder Pflanze und so auch in grünem Gemüse enthalten. Wenn also Chlorophyll tatsächlich zum Ausbruch einer Porphyrie führen kann, so müsste man auch hier viel öfter entsprechende negative Berichte hören. Aber auch hier sucht man danach vergebens.

Grund Nr. 6

Herr Würkner ignoriert das Prinzip von Ockhams Rasiermesser. Dieses kommt zur Anwendung, wenn wissenschaftliche Thesen aufgestellt werden. Es besagt, dass nur die einfachste Erklärung auch die wissenschaftlich korrekte sein muss.

Die einfachste Erklärung hier ist die, dass quecksilbervergifteten Menschen ein Mittel verabreicht wurde, von dem wir wissen, dass es eins der gefährlichsten Nervengifte mobilisieren kann, das es gibt. Das Aufkommen der anschließenden dramatischen Symptome kann nur mit der Präsenz von Quecksilber erklärt werden. Die Symptome von Quecksilbervergiftung sind vielfach dokumentiert und liegen bei beiden Patienten vor, während oder nach der Behandlung vorzufinden.

Das Heranziehen eines neuen Sachverhaltes (Chlorophyll verursacht Schub von Porphyrie) für den der Autor keinen einzigen Beleg vorlegen kann, ist konträr zu Ockhams Rasiermesser und muss somit verworfen werden.

Grund Nr. 7

Es gibt im Internet eine Vielzahl von Artikeln und Videos, die die Sicherheit und Effektivität von Chlorella propagieren, Schwermetalle zu entgiften. Wenn man sich jedoch die Kommentare unter diesen Videos und Artikeln durchliest, so findet man Berichte, die von oft dramatischen Nebenreaktionen sprechen.

Das zeigt also, dass das Aufkommen von Nebenwirkungen nach der Gabe von Chlorella nicht selten ist. Ganz im Gegenteil, es scheint recht häufig zu sein.

Auch fängt Herr Würkner selbst seinen Artikel mit folgendem Satz an “ Bei der Therapie vermuteter chronischer Schwermetallvergiftungen, beispielsweise durch Amalgam, mittels Chlorella spp. nach dem Therapieansatz von Dr. Klinghardt, wurde wiederholt beobachtet, dass hohe orale Gaben von Chlorophyll (Der Autor meint Chlorella. Er zeigt keinen einzigen Fall, wo die reine Gabe von Chlorophyll ähnlich dramatische Wirkungen gezeigt hätte.), wie sie in diesen populären Algenprodukten vorkommen, unter bestimmten Rahmenbedingungen toxisch sind, wobei die Symptomatik Parallelen zu Defekten im Häm-Metabolismus nahelegt. “

Es “wurde wiederholt beobachtet” – der Autor gibt also selber zu, dass Nebenwirkungen bei Chlorella nicht selten sind. Die unkritische Annahme, dass Chlorella also sicher und effektiv bei Schwermetallvergiftung ist, ist nicht haltbar.

Grund Nr. 8

Alle aufgelisteten Symptome, die bei den Patienten vor und nach der Chlorella-Gabe beobachtet wurden, sind typisch für Quecksilbervergiftung.

Jedoch scheint sich der Autor damit seltsamerweise nicht näher beschäftigt zu haben, obwohl mindestens 17 von den von ihm zitierten Studien und Dokumenten sich mit Quecksilber oder Bleivergiftung und Porphyrie befassen. Hätte er das getan, so hätten ihm die Übereinstimmungen mit Quecksilbervergiftung auffallen müssen, die ja auch eine Porphyrie hervorrufen kann.

 

Fazit

Das Dokument “Chlorophyll und Häm: Toxische Wechselwirkungen bei subklinischer Porphyrie und Schwermetallvergiftungen” von Gerald Würkner ist ein nicht gut recherchiertes, unwissenschaftlich konzipiertes Dokument, welches leider nur zu der Verwirrung über Schwermetallvergiftung beiträgt, anstatt Licht ins Dunkel zu scheinen.

Es zeigt auch die folgenden Sachverhalte:

– Die hochgradige Gefährlichkeit von Chlorella, und hier speziell der Klinghardt-Methode. Unter einem meiner Videos zum Thema “Wie Chlorella eine Schwermetallvergiftung verschlimmern kann” kam es wiederholt zu Kommentaren, dass, wenn man die ersten Nebenwirkungen nach der Einnahme von Chlorella verspürt, dass man dann die Dosis erhöhen soll, so wie es das Klinghardt-Protokoll vorschreibt. Dieses Dokument von Gerald Würkner zeigt, wie gefährlich diese Vorgehensweise ist. Stellen sich Symptome ein, die auf eine Mobilisierung von Quecksilber schließen lassen, so sollte man unter gar keinen Umständen, versuchen durchzupowern. Die Konsequenzen können vernichtend sein, wie man in diesem beiden Fällen gesehen hat.

– Die fast völlige Misinformation zwischen Heilpraktikern, Ärzten und der generellen Bevölkerung, was Schwermetallvergiftung angeht. Die Informationen darüber, wie man Quecksilbervergiftung richtig diagnostiziert und behandelt sind oft nicht vorhanden, basieren auf gefährlichem Halbwissen oder sind widersprüchlich.

Wie bereits angesprochen: während einer Quecksilberausleitung wird eines der gefährlichsten Nervengifte mobilisiert, das es überhaupt gibt. Dieses Nervengift steckt in Ihrem Zentralen Nervensystem und verursacht eine ganze Reihe von psychischen und physischen Symptomen. Ein Programm, welches dazu dient, es dort rauszuholen, muss EXTREM vorsichtig konzipiert sein. Dinge müssen stabil gehalten werden. Man muss hier wie bei einem wissenschaftlichen Experiment vorgehen: strikt, indem man einige Faktoren konstant hält und mit entsprechender Fokussierung und Rigorosität. Das kann und sollte man nicht mal nebenbei machen, indem man ab und zu mal ein paar Algenpräparate oder andere Chelatbildner einnimmt. 

Wie man Quecksilber und andere Schwermetalle richtig entgiftet, erfahren Sie auf dieser Seite oder in diesem Video

 

Paola Dziwetzki

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