Führt Fleisch zur Übersäuerung des Körpers?

Führt Fleisch zur Übersäuerung des Körpers?

Führt Fleisch zur Übersäuerung des Körpers?

Überall liest man über die vermeintlichen gesundheitlichen Gefahren von Fleisch. Es soll im Darm rotten, uns der Energie berauben, die Knochen brüchig machen und natürlich Krebs verursachen.

So kann man etliche Videos auf Youtube finden, die sich mit diesem Thema beschäftigen und die gleichzeitig die Lösung bieten, wie wir unseren Körper wieder alkalisch, entgiftet und somit jungfräulich rein erhalten können. Dabei helfen soll uns üppiger Konsum von Gemüse, Früchten oder eine ganze Palette von Produkten, die unseren Säure-Base-Haushalt wiederherstellen sollen.

Und da man durch weniger Fleischkonsum angeblich auch für weniger Tierleid verantwortlich sei, darf man sich dabei als extra Bonus auch noch moralisch überlegen fühlen.

So scheint zu gelten:

Fleisch = sauer = Krebs = böse

Früchte & Gemüse = basisch = Krebsvorbeugung = gut.

Das ist eine in der alternativen Medizin sowieso aber leider auch in der konventionellen Medizin zunehmend akzeptierte Formel. Aber was bedeutet das eigentlich „Übersäuerung des Körpers“ und wie wird das festgestellt? Wie weiß ich, wann mein Körper sauer und wann er basisch ist?

Wenn man der Sache auf den Grund geht, so fällt diese These bald in sich zusammen. Hier nenne ich die vier Gründe, warum die Theorie, dass Fleisch den Körper übersäuert nicht korrekt ist. 

Grund Nr. 1, warum die Idee, dass Fleisch den Körper übersäuert falsch ist: Der Urin hat nichts mit dem pH des Körpers zu tun. 

Einschlägigen Säure-Basen Experten zufolge soll der pH des Urins zeigen können, ob der Körper übersäuert ist oder nicht. Ist der pH des Urins niedrig, dann heißt es, dass auch der Körper übersäuert sei. Ist der pH des Urins hoch, dann soll das ein Anzeichen für vermeintlich vorbildliches Verhalten am Esstisch sein.

Es gibt jedoch mit dieser Art von Argumentation eine Reihe von Problemen. Als allererstes: der pH des Urins kann bei einem gesunden Menschen extrem variieren: von ziemlich sauer bei einem pH von 5 bis sehr alkalisch bei einem pH von 8. Wenn der pH oft ins Saure gerät, ist das sogar gut, weil damit das Risiko für Harnwegsinfekte sinkt.

Man kann also von einem pH von 5 nicht sofort schlußfolgern, dass irgendeine Pathologie vorliegt.

Es gibt auch ein weiteres logisches Problem: Unsere Organe schwimmen nicht im Urin. Wir haben keinen Urin in unserem Gewebe, unseren Muskeln, unserer Leber oder in unserem Gehirn.

Wieso sollte man also vom pH des Urins auf den pH des Rests des Körpers schließen? Das ist mit elementarem Wissen über die menschliche Physiologie nicht vereinbar.

Womit unsere Organe, Muskeln und Gewebe gesättigt sind und wovon sie durchzogen sind, sind Blut und Blutgefäße. Es würde eher Sinn machen, vom pH des Blutes auf den pH des Körpers zu schließen als vom pH des Urins.

Und das bringt uns zum zweiten

Grund Nr. 2, warum die Theorie, dass Fleisch den Körper übersäuert, falsch ist: Was wir essen hat keinen Einfluß auf unseren Blut-pH

Wie oben erläutert, ist der pH des Blutes ein besserer Anhaltspunkt, um auf den pH des Körpers zu schließen. 

Und der pH des menschlichen Blutes ist bekannt und sehr stabil. Dieser bewegt sich beim Menschen zwischen 7,35 bis 7,45. Nur eine kleine Variation außerhalb dieses Bereiches und sie könnten mit einer lebensgefährlichen Azidose oder Alkalose auf der Intensivstation landen.

Und hier ist der Punkt: der pH des Blutes wird durch die Lunge und die Nieren kontrolliert. Nahrung hat keinen Einfluß darauf. Hätte sie das, so könnte das für den Menschen lebensgefährlich werden.

Auch sollte man sich darüber klar werden, dass es so etwas wie einen Körper pH nicht wirklich gibt. Unser Körper besteht aus so unterschiedlichen Teilen wie Knochen, Muskeln, Organen, Bindegewebe, Lymphflüssigkeiten, Blut und mehr, die alle verschiedene pH Werte besitzen, und deren pH Werte manchmal stark schwanken können. So etwas wie einen allgemeinen pH Wert unseres gesamten Systems gibt es gar nicht. Auch hat niemand, soviel ich weiß, Menschen Gewebeproben entnommen, je nachdem ob sie ein Steak oder eine Erdbeere gegessen haben, um eine mögliche Veränderung im pH des Gehirns, der Leber oder der Gelenke festzustellen. Insofern, wenn ich hier den Begriff Körper pH übernehme, so benutze ich kurzfristig die gegnerische Idee, um sie zu falsifizieren.

Kann aber das, was Sie essen, den pH des Urins ändern? Ja, kurzfristig. Das ist jedoch klinisch nicht relevant und bedeutet nicht, dass Ihr Körper dabei ist, Krebszellen zu töten, sich von Giftstoffen zu reinigen oder dass Sie durch positive Vibrationen dabei sind in eine höhere Dimension aufzusteigen.

Grund Nr. 3, warum die Theorie, dass Fleisch den Körper übersäuert falsch ist: Gicht kann man erfolgreich durch eine reine Fleischdiät behandeln.

Klingt verrückt, nicht wahr?

Vor allem wo doch die offizielle Standpunkt in der Medizin lautet, dass Gichtattacken durch zu viel Fleisch ausgelöst werden können. Fleisch enthält Purine, aus denen in unserem Körper Harnsäure produziert wird. Diese sammelt sich in Gelenken und es kommt zu sehr schmerzhaften Episoden. So die offizielle These.

Ein paar Sachen scheinen dabei jedoch nicht ganz zu passen. Jeder, der an Gicht leidet, hat es nämlich schon selber erlebt: einmal isst man Fleisch und es kommt zu keinem Gichtanfall, ein anderes Mal wird eine Bockwurst verzehrt und es kommt zu akuten Schmerzen. Wenn Fleisch die Ursache ist, so sollten Schmerzen eigentlich jedes Mal nach Fleischverzehr eintreffen. Tun sie aber nicht. Was auch nicht so ganz ins Schema passt, ist die Tatsache, dass viele Vegetarier an Gicht leiden. Also etwas stimmt hier nicht.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Menschen, die auf eine Fleisch-reiche Ernährungsform wie Paleo, ketogene Diät oder sogar eine reine Fleischdiät, auf Englisch Carnivore Diet, umgestiegen sind, und deren Gichtanfälle komplett zum Stillstand gekommen sind.

So berichtet hier z. Bsp. Mary Hamilton, die an Gicht in Ihrem rechten großen Zeh litt, dass seitdem sie nur Fleisch isst sie an keinen Gelenkschmerzen mehr leidet, weder in den Knien, Fingern, Hüften noch in ihrem großen Zeh. Und dass sie, seitdem Sie NUR Fleisch isst, ihre entzündungshemmenden Medikamente absetzen konnte.

Auch sind folgende Kommentare unter dem Video von Dr. Shawn Baker zu lesen, einem Arzt, der eine reine Fleischdiät empfiehlt. 

„Seitdem ich seit Oktober die reine Fleischdiät befolge, habe ich keine Gichtattacken mehr!“

„Ich hatte Gicht regelmäßig bevor ich die Fleischdiät anfing. Seit dem ich wie ein Carnivore esse, kein Gicht mehr.“

„Ich hatte Gicht 20 Jahre lang, nahm Allopurinol jeden Tag, meine Attacken waren sehr stark. Nachdem ich angefangen habe mich ketogen zu ernähren haben sie aufgehört. Als ich zur reinen Fleischdiät überwechselte sind sie seit 12 Monaten nicht zurückgekommen mit null Medikamenten und keinen Schmerzen.“

„Die Ketodiät hat meine Gicht geheilt. I esse jetzt die reine Fleischdiät, bin 52 Jahre alt und es gibt nichts mehr zu heilen.

Ich vermisse mein Gemüse, aber sich perfekt zu fühlen ist es das Opfer wert.“

„Ich erlebte Gichtanfälle mit Früchten. Seitdem ich Zucker ausgelassen habe, habe ich keine Attacken mehr.“

„Ich hatte verrückte Gichtanfälle die ganze Zeit aber aß ich, was ich dachte, das gesund wäre, kein Zucker, keine verarbeiteten Lebensmittel, etc aber sobald ich aufhörte Früchte zu essen, hörte meine Gicht auf, Ich glaube es war die Fruktose.“

Nicht nur scheint die reine Fleischdiät bei Gicht zu helfen, sondern bei fast allen Arten von Gelenkschmerzen.

Weitere solche Fälle findet man in den englischsprachigen Facebookgruppen wie “World Carnivore Tribe”, “100% carnivore and beyond”, “Principia Carnivora”, oder “Zeroing in on Health”. Die Mitglieder dieser Gruppen, die insgesamt über 100,000 Mitglieder zählen haben eins gemeinsam: sie essen nur Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, und manchmal auch Milchprodukte und trinken nur Wasser.

Das Interessante hier ist, dass diese Menschen das tun, was bis jetzt kein Ernährungswissenschaftler jemals im Rahmen einer groß angelegten, systematischen Studie unternommen hat: nämlich Menschen nur und ausschließlich mit Fleisch zu füttern und die gesundheitlichen Folgen zu beobachten.

Insofern stellen diese Facebook Gruppen eine Schatztruhe an anthropologischem und ernährungswissenschaftlichen Wissen dar und beweisen: Gicht hat nichts mit Fleischkonsum zu tun. Im Gegenteil, eine reine Fleischdiät scheint in der Lage zu sein, zuverlässig und auf eine reproduzierbare Art und Weise in einem großen Teil der Bevölkerung Gichtattacken vorzubeugen.

Grund Nummer 4, warum die Idee, dass Fleisch den Körper übersäuert, falsch ist: Ketoazidosen beim Diabetes mellitus kann man erfolgreich mit einer Fleischdiät vorbeugen.

Ein weiteres Argument dafür, dass Fleisch den Körper übersäuern könnte, ist der Fall der Ketoazidose. Das ist der Zustand, wenn der Körper kein Insulin produziert und der Blutzucker somit extrem ansteigt. Da der Körper nicht in der Lage ist aus dem Blutzucker Energie zu gewinnen, fängt er an große Mengen an Ketonkörpern zu produzieren. Ketonkörper sind eigentlich die bevorzugte Energiequelle für den menschlichen Körper. Im Falle einer Ketoazidose gerät die Ketonkörperproduktion jedoch außer Kontrolle und führt dazu, dass der pH des Blutes sauer wird. Es kommt zu einer lebensgefährlichen Situation.

Eine Ketoazidose kommt jedoch so gut wie nur bei Diabetikern vor, und auch da vor allem bei Typ 1, sehr selten bei Typ 2. Bei der Ketoazidose wird das Blut tatsächlich sauer, das hat jedoch nichts, aber auch gar nichts mit Fleischkonsum oder mit der ketogenen Ernährung zu tun, sondern mit 1. der Unfähigkeit des Körpers Insulin zu produzieren und gleichzeitig 2. Konsum von Zucker oder zu vielen Kohlenhydraten.

Was Fleisch und Ketoazidose angeht, so gibt es tatsächlich Fälle, wo Diabetes 1 Patienten es anscheinend geschafft haben, ihren Blutzucker entweder mit der ketogenen Ernährung oder der reinen Fleischdiät komplett unter Kontrolle zu halten und sogar aufhören konnten sich Insulin zu verabreichen.

So berichten zwei Ärzte vom  ungarischen Institut Paleomedicina Hungary über einen Fall von Typ 1 Diabetes bei einem jungen Mann von 19 Jahren, der „20 Tage nach einer reinen Fleischdiät das Insulin abgesetzt hatte und normale Blutzuckerwerte zeigte. Eine mehr als 3-fache Erhöhung von C-Peptiden wiesen darauf hin, dass seine Insulinproduktion wiederhergestellt war. {…} Der Patient ist frei von Beschwerden und es haben sich keine Nebeneffekte eingestellt.“

Es gibt weitere Anekdoten von Menschen mit Typ 1 Diabetes, die mit der Carnivore Diät, also einer reinen Fleischdiät entweder ihr Insulin reduziert oder abgesetzt haben.

Hier @T1Dcarnivore auf Twitter, der seinen Blutzuckerspiegel und die Ketonmenge postet: vorbildlich und weit weg von jeglicher Ketoazidose.

Hier eine Dame auf Youtube, die nach 30 Tagen von reiner Fleischdiät ihren vorbildlichen Bluzuckerspiegel vorzeigt, und darüber berichtet, wie toll sie sich fühlt.

Also auch die Idee, dass Fleisch irgendwas mit Ketoazidose zu tun haben könnte, wurde hier widerlegt. Im Gegenteil, es scheint, dass eine reine Fleischdiät Ketoazidosekrisen vorbeugen könnte.

Was soll man jetzt also essen?

Soll man denn jetzt gar nicht darauf achten, ob man sauer oder alkalisch ist bei dem was man isst?

Korrekt.

Die ganze Idee, dass Essen den pH des Körpers verändern könnte und dass das in irgendeiner Weise relevant für die menschliche Gesundheit wäre, ist reiner Humbug. Natürlich hat Essen eine Auswirkung auf unsere Gesundheit, eine viel tiefer greifende als die meisten Mediziner es auch nur ahnen. Das hat jedoch nichts aber auch gar nichts mit dem pH zu tun.

Wie soll man es also machen mit dem Essen?

Machen Sie es wie die Massai. Das ist ein nomadisches Volk in Afrika. Bei ihnen sind Autoimmun-, Herzkrankheiten, Gicht oder Krebs so gut wie unbekannt. Was das Wissen darüber angeht, wie man gesund bleibt, so dürften Sie jeden westlichen Mediziner in den Schatten stellen.

Ein Massai schert sich nicht um den pH Wert seines Urins. Bevor er zu mittag isst, pinkelt er nicht zuerst auf den Urinstick.

Was er stattdessen macht, ist das gleiche, was schon seine Vorfahren seit tausenden von Jahren gemacht haben, die ebenfalls so gut wie keine Autoimmunkrankheiten, Herzprobleme, Gicht oder Krebs kannten, und die bis ins hohe Alter Kinder zeugten und voller Vitalität waren.

Sie alle haben vorrangig das gegessen, was am meisten Energie spendet, was alle Mineralstoffe und Vitamine enthält, die der Körper braucht, und was einen lange gesund und kraftvoll erhält. Nämlich das einzig wahre Superfood, das es gibt und das es jemals geben wird: Fleisch.

In dem Sinne: hauen Sie rein.

Paola Dziwetzki

Gesundheitsberatung

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